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Danke an Klemens Hager für die Einrichtung und Befüllung dieses Blogs, die gerade in China wegen gesperrter Internetseiten oft mühsam war. Danke an ihn ebenso für die vielen Fotos und deren Bearbeitung und Auswahl, was eine Menge Arbeit war. Danke an das „Redaktionsteam“ für den Teil Transsib unter der Leitung von Anna Kastner und an Josef Zapletal, der in China einen Gutteil der Texte geschrieben hat.

Und Danke an Christoph Mülleder und seinem Weltanschauen! Dadurch wurde diese tolle Reise erst möglich.

http://www.weltanschauen.at/

Tag 26 / Rückflug Peking nach Wien und ab nach Hause

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Erst um 2:30 h startet unser Flug nach Wien und nach 10 Stunden und sieben Zeitzonen in der Sardinendose erreichen wir gut gekühlt pünktlich um 5:35 h am Montag früh Wien. Die inzwischen vertraute Reisefamilie verabschiedet sich, alle Koffer sind auch angekommen. Mit dem Zug geht es weiter nach Linz, wo wir um 8:30 h eintreffen.

Tag 25 / Suzhou, Venedig des Ostens oder Gartenstadt – Rückflug nach Österreich

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Einige machen am Vormittag eine Bootstour durch die großen und kleinen Kanäle der Stadt. Dann besuchen wir gemeinsam den kleinsten, aber feinsten Garten in der Stadt: Garten des Meisters der Netze mit seiner eleganten Struktur. Er ist auf einen Teich konzentriert und dekoriert mit Pflanzen, Steinen, Pavillons und Steinbrücken.

Nach einem letzten chinesischen Mittagessen (diesmal in einem Restaurant mit der gut gewürzten Küche aus der nordwestlichen Provinz Xianjiang) spazieren wir noch entlang der berühmten historischen Straße Ping Jiang Lu, wo man das typische Stadtbild am besten sehen kann.

Um 16:30 h fahren wir von Suzhou direkt zum Shanghai Hongqiao Flughafen. Wir checken ein, geben unsere letzten Yuan für ein letztes Tsingtao Bier aus oder tauschen sie bei unserer Hausbank Lin zurück in Euro. Abflug um 21:00 h mit Air China CA 1856 nach Peking. Ankunft in Peking um 23:00 h. Wieder ganz genaue Sicherheitskontrollen und Ausreise aus China. Alle dürfen das Land verlassen, niemand stellt einen Antrag auf Asyl, aber einige beschließen wiederzukommen in dieses riesige und spannende Land.

Tag 24 / von Shanghai nach Souzhou, das Venedig des Ostens

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In Abänderung des Programms konnten wir am Vormittag das vor 20 Jahren von IoMingPei geplante Shanghai Museum im Stadtzentrum besuchen, in dem in 4 Stockwerken ein Querschnitt der Chinesischen Kultur auf den Gebieten der Malerei, der Kalligrafie, der Siegel, Münzen, Möbel und des Bronzegusses gezeigt werden. Auch im Schnelldurchlauf konnte man einen Eindruck von der Meisterschaft auf diesen Gebieten gewinnen. Diese Eile war vor allem für diejenigen geboten, die sich eher der Alltagsforschung verschrieben haben und den Heiratsmarkt im nahen Volks-Park erforschen wollten. Hier suchen Eltern und Großeltern Kontakt mit anderen Heiratswilligen oder deren Familien, um für ihre Söhne und Töchter einen Partner zu finden. Größe, Beruf und das Vorhandenseins einer Wohnung sind dabei wichtige Voraussetzungen. So werden hier alte Traditionen in neuer Form weitergeführt, wenn die Kinder selbst nicht genügend Zeit finden, weil sie in ihren Berufen und Jobs über die Maßen eingespannt sind. Zu unserer Erleichterung erfahren wir aber auch, dass am Ende schon auch die Betroffenen selbst zustimmen müssen oder auch ablehnen dürfen.

Bevor wir Shanghai verlassen, machen wir noch Halt in der Verkaufsstelle einer Seidenmanufaktur, sehen die wichtigsten Schritte der Seidenproduktion und lernen wieder Neues über die Qualitäten einer perfekten Verkäuferin in der angeschlossenen Verkaufs“show“. Bis hin an die Transportprobleme umfangreicher Einkäufe im Touristengepäck ist gedacht und werden Lösungen angeboten. Man sollte aber nicht glauben, dass hier nur die ausländischen Touristen im Fokus liegen.

Der Tourismus innerhalb Chinas ist beträchtlich und allein die Logistik bei den großen Sehenswürdigkeiten ist ausgetüftelt und sichtlich auf die Bewältigung großer Besucheranzahlen ausgelegt. Ebenso die Shops und nachgeordneten Einrichtungen für Essen, Trinken und Erinnerungsstücke. Denn trotz der enormen Besucherzahlen sind wir nie Schlange gestanden, was in Europa bei großen Sehenswürdigkeiten mittlerweile leider ganz normal ist.

Am späten Nachmittag fahren wir gegen Westen und sind überwältigt von den Verkehrsbändern die in Hochlage die Landschaft gliedern. Aus 30 m Höhe überblickt man ein Patchwork an Baustellen, alten Siedlungen, Abbruchbrachen, Hochhausclustern am Horizont und und und …. Gibt es hier einen Masterplaner, der das alles bewältigt oder wird bereits alles vom Mahlstrom einer in Gang gekommenen Kettenreaktion mitgerissen. Hier wird nicht gekleckert. Alles ist groß bis hin zu den eingepflanzten Bäumen in den Grünanlagen. Ein endloses Siedlungsgebiet ersetzt die ehemals von Kanälen und Reisfeldern durchsetzte Landschaft.

Wir kommen in Suzhou an, das auch Venedig des Ostens oder Gartenstadt genannt wird. Eine ca. 2000 Jahre alte Stadt, die am ebenfalls alten Kaiserkanal liegt, der auch heute noch genutzten einzigen Nord-Süd-Wasserverbindung Chinas (alle natürlichen Flüsse gehen von West nach Ost). Das moderne Suzhou ist Sonderwirtschaftszone, beherbergt viele Niederlassungen internationaler Industriebetriebe und ist dadurch in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen.

China ist kein Billiglohnland mehr, die Gehälter sind in den letzten Jahren um 100% oder mehr gestiegen. Ein Wanderarbeiter verdient hier bereits ca. 600 € monatlich, deutlich mehr als in manchen Ländern Osteuropas. Das ist auch der Grund warum Betriebe (vor allem der Textilindustrie) bereits wieder in Länder wie Vietnam absiedeln. Auf den Straßen sieht man praktisch nur große Autos. Wer sich die Zulassung um mehrere 1000 Euro leisten kann, kauft sich dann auch gleich etwas Ordentliches.

Nach einem guten Abendessen und einem kurzen Spaziergang am Kaiserkanal im Vollmond beziehen wir unsere Zimmer im feinen 5-Stern Garden Hotel. In der großzügig gestalteten Lobby spielt eine Harfenkünstlerin. Ein Ort zum Verweilen, doch leider bleiben wir hier nur kurz.

Tag 23 / Zotter, Cambio-Café, Bio & Fairtrade in Shanghai + jüdischen Viertel & Sky Bar

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Nach dem Staunen über die bauliche Entwicklung machten wir uns heute auf der Suche nach dem Motor, dem Antrieb dieser dynamischen Entwicklung. Wie auch immer diese in Gang gekommen ist, zieht sie wie ein gigantischer Strudel Leute aller Länder und Nationen an, die genau hierher wollen, um ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Mit dem Schokoladentheater der Firma Zotter, beginnen wir von vertrautem Grund aus: Schokolade ist dem Österreicher nicht fremd. Den Chinesen aber sehr wohl. Trotz, oder gerade deswegen hat sich die Firma Zotter in das Wagnis gestürzt, einen nicht existierenden Markt zu erobern, oder besser gesagt erst zu schaffen und mit dazu noch das Konzept von Bio und Fairtrade zu vermitteln. Ein großes Vorhaben, bei dessen Umsetzung nicht gekleckert wurde. Das Gebäude, in dem 25 Leute Arbeit finden, liegt in einem neu gestalteten ehemaligen Fabriksgelände direkt am Fluss und beherbergt auch ein Café. Sollte der wirtschaftliche Erfolg vielleicht noch fraglich sein, so wird sich die geschmackliche Palette angesichts der Vielzahl der chinesischen Produkte und Geschmäcker sicherlich zu neuen Ufern führen. Das alte Industrieviertel in der Umgebung würde bei einem nächsten Besuch sicher noch Zeit zum Entdecken brauchen. Vielleicht mit dem Fahrrad.

Am Rückweg in die Stadt machen wir im jüdischen Viertel der ehemals japanischen Konzession halt. China hatte in den 30er Jahren 200 000 Juden aus Deutschland und Europa Asyl gewährt. Die in Shanghai niedergelassenen Familien wurden jedoch nach der Eroberung durch Japan gezwungen dort zu leben und zu arbeiten. In den sehr europäisch anmutenden Häusern hatten wir durch einen glücklichen Zufall die Möglichkeit in zwei Wohnungen im ersten Stock einen Blick zu werfen, die ein Gemeinschaftsbad und eine gemeinsame Küche am Gang ihr Eigen nannten. Auf engem Raum wurden mit Hochbetten bzw. Trennwänden kleine individuelle Nischen geschaffen, die sehr bescheiden, aber nicht ärmlich wirkten. Hans Georg hinterließ als Dankeschön ein Porträt des Hündchens, worauf ausgiebig das Bild, das Modell, der Künstler und das Frauchen fotografiert wurden. Ein Erlebnis für beide Seiten, das noch ein wenig nachwirken wird.

Am Nachmittag quälte sich der Bus durch den Stau in der Innenstadt zu einem kleinen Kaffehaus, wo wir Sebastian Martin trafen, einen Südamerikaner mit chilenisch-bolivianischen Wurzeln und einer Ausbildung in den USA, der sich nach langer individueller Vorbereitung nach Shanghai aufgemacht hat, um seine Idee eines fairen Handelns mit Kaffee umzusetzen. China, weil auch hier der Markt erst geschaffen werden muss, und die Chancen und Möglichkeiten groß sind. Von Sebastian erhielten wir eine Vorstellung über die Schwierigkeiten mit Behörden, Sprache, Mentalität oder aber auch der stürmischen Stadtentwicklung, die die eben erst eröffnete erste Filiale von Cambio-Café der Abrissbirne opfert. Wie auch schon bei anderen Gelegenheiten, stellten wir fest, dass den Chinesen das Kaffeemachen noch nicht so flüssig und schnell von der Hand geht. Andererseits war der Kaffee aus China und Mittel- bzw. Südamerika von ausgezeichneter Qualität. 70% des verwendeten Kaffees kommen aus China, wo es in der Provinz Yunnan eine Kooperative mit einigen hundert Bauern gibt, mit der zusammengearbeitet wird. Sebastian kennt alle seine Bauern und hat jeden Zwischenhandel ausgeschaltet. Sein Kaffee wird auch direkt in Shanghai geröstet, was ein Teil des Rezeptes für dessen guten Geschmack ist. 500 kg Kaffee werden derzeit über die beiden Filialen, den Onlinehandel und die Zusammenarbeit mit Restaurants umgesetzt. Ziel von Sebastian ist, 300 Filialen in China zu haben, in denen das Konzept des biofairen Kaffeegenusses unter die Leute gebracht wird.

Der restliche Nachmittag und Abend stand zur freien Verfügung zur Erkundung von Shanghai. Eine größere Gruppe bewunderte am Abend im ERA Theater die berühmte Akrobatik-Show. Eineinhalb Stunden lang kommen wir aus dem Staunen über diverse akrobatische Meisterleistungen nicht heraus. Und der Highlights dieses Tages nicht genug, stoppen einige am Heimweg noch im Hyatt-Hotel und genießen bei einem Glas Sekt den Ausblick von der Sky-Bar in luftiger Höhe und das Partytreiben der Reichen und Schönen Shanghais.

Tag 22 / Shanghai und das zweithöchste Gebäude der Welt

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Unser Zug kommt um 10.19 Uhr in Shanghai an. Zunächst sind wir etwas verwirrt, über die wenigen Menschen und den quasi nicht vorhandenen Verkehr. Dies ändert sich jedoch schnell als wir uns in den Autoverkehr der Hochstraße einordnen und im zweiten oder dritten Stock durch den Wald der Hochhäuser Richtung Stadtzentrum vorarbeiten. Da das Wetter uns weiterhin hold ist (was in China ganz anders gesehen wird, denn hier wird Landschaft viel lieber bei Regen und mit ziehenden Nebelschwaden betrachtet) fahren wir sofort zum Shanghai Tower. Die 547 Meter bis zur Aussichtsplattform überwinden wir im Aufzug in beeindruckenden aber kaum spürbaren 54 Sekunden. Jetzt sind wir definitiv in der Megacity des Ostens angekommen! Unter uns der Bogen des Huangpu Flusses mit einer nicht abreißenden Kette von Flussschiffen. Zu unseren Füßen die Hochhauscluster von Pudong, dem vor 20 Jahren noch unbebauten Flussland gegenüber dem Bogen des Westufers, dem „Bund“. Dies ist eine aus dem Indischen kommenden Bezeichnung für Damm für die Promenade entlang der Kolonialniederlassungen der Franzosen, Engländer und Japaner aus dem vorvorigen Jahrhundert.

Shanghai ist jetzt die Finanzmetropole Chinas und der Industriestandort neben dem Pearl River Delta nahe Hongkong. Hier werden fast alle europäischen und internationalen Marken für den chinesischen und europäischen Markt produziert. Die Stadt ist ein Fleckerlteppich von Abriss und Neubau in großem Stil. Aller Grund und Boden gehört dem Staat. Gegen einen dem „Grundpreis“ entsprechenden Betrag, kann jeder Investor das Grundstück 70 Jahre lang nutzen. Dann fällt das Nutzungsrecht an den Staat China zurück. Allerdings wird dies erst in 30 Jahren das erste Mal schlagend und man wird sehen wie das im Konkreten gehandhabt wird. Der Ausblick, die Dimensionen von oben und anschließend bei einer Flussrundfahrt von unten sind atemberaubend. Klick – Klick – Klick geht der Fotoapparat.

Dazwischen gab es Mittagessen in der „Altstadt“ und zum Yang das Ying, die kleine Dimension: vorbei an Geschäften und über die Zik-Zak-Brücke erreichen wir den Yu Garten. Gebaut im Jahr 1559, ist er ein Musterbeispiel der chinesischen Gartenbaukunst. Kleinste, bildartig inszenierte Räume, von Mauern getrennt, durch Tore und Durchblicke verbunden, würden eine Gegenwelt abbilden, wenn wir Touristen, Chinesen wie Langnasen nicht so zahlreich anwesend wären. Und in den Gassen rundherum alles nur Konsum. Danach fahren wir in unser Hotel Sunrise on the Bund. Es hält uns aber nicht lange in den Zimmern und wir eilen hinaus auf die Uferpromenade, lassen uns von den Lichtinszenierungen der Skyline am gegenüberliegenden Flussufer beeindrucken und dann in der Nanjing Road, einer der großen Einkaufsstraßen, mit den Massen im Strom treiben.

Tag 21 / Yangshuo – Guilin und mit dem Nachtzug nach Shanghai

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Vormittag haben wir noch Gelegenheit, eine Wanderung zu machen. Diesmal flußaufwärts entlang des Yulong . Auf einem der vielen Betondämme, die den Fluss leicht aufstauen, sodass keine Strömung zu sehen ist und die Berge sich in der Wasserfläche spiegeln, überqueren wir den Fluss und wandern an den, am Bergrand aufgezeilten Häusern entlang. Obwohl wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet befinden, wird hier überall gewirtschaftet und gebaut. Andererseits erfahren wir, dass die chinesische Anwendung von FengShui auch heißt, dass einzelne der Karstkegel nicht betreten, das Holz dort nicht gefällt wird. Diese bilden also Bio-Reservate im besten Sinne, und das in jeder Gemeinde! Die vielen Schmetterlinge, die uns am Weg begleiten, legen auch ein Zeugnis davon ab. Im Übrigen sind die Felder links und rechts eher mit einem riesigen Garten zu vergleichen. Alle 50 Meter ist eine andere Frucht, ein anderes Gemüse angebaut, wechseln sich Baumwollpflanzen mit Maracujabäumen, Chili mit Mandarinen ab. Wir erreichen die Drachenbrücke, eine hohe Bogenbrücke kurz vor Mittag und besteigen in der beginnenden Mittagshitze den Bus. Wir nehmen Abschied von Yangshuo und fahren nach Guilin.

Nach dem Mittagessen bleibt noch etwas Zeit für einen Stadtspaziergang entlang des Kanals und durch die platanenbestandene Promenade am Li Fluss. Inzwischen sind wir erfahren Bahnfahrer und passieren die Sicherheitskontrollen und absolvieren routiniert das Prozedere am Bahnhof (Kontrolle vor dem Betreten des Bahnsteigs nach Aufruf und beim Einsteigen in den Waggon) und besteigen um 16:44 Uhr den Nachtzug ins ca. 1600 km entfernte Shanghai. Die Verkäufer für warmes Essen und Obst im Zug haben ihren Spaß mit uns und wir mit Ihnen, nachdem erste Unsicherheiten ausgeräumt sind. Die Hendlhaxen waren auch wirklich gut! Wir liegen erste Klasse, das heißt „weiches Bett“ im 4 Bett Abteil.Schnell ist es finster und die „Waggonparty“ dauert nach einem langen Tag auch nicht mehr allzu lange.

Tag 20 / Yangshuo – Mit dem Fahrrad durch die Dörfer und Marktbesuch in der Stadt

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Wir wachen auf in einem nicht allzubreiten flachen Flusstal, das links und rechts von ca. 200 m hohen Karstkegeln umstanden ist, die sich in dichten Reihen – wie ein Irrgarten – hintereinander staffeln. Das Leben beginnt in China mit den ersten Lichtstrahlen, hier also um 6 Uhr. Während in der Stadt die Parks von Pensionisten bevölkert sind, die ihre sportlichen Übungen zur Aufrechterhaltung der Gelenkigkeiten absolvieren, werden hier die kleinen Felder bewässert, schon Wäsche gewaschen, gefischt und sogar ein Hochzeitspaar posiert auf dem Damm in der flach stehenden Morgensonne. Wir haben uns Räder ausgeborgt und unternehmen eine gut 30 km lange Fahrradtour. Während es entlang des Flusses inzwischen schon einen gepflasterten Gehweg gibt fahren wir auf den sich uns bietenden Straßen und Wegen. Das heißt Landstraße mit Staub und Schwerkverkehr ebenso wie idyllische Nebenstraßen, Dorfpassagen wie Feldwege. Am Beginn steht der Moon Hill, ein Karstkegel mit einem halbrunden Loch im Zentrum. In den Dörfern bekommen wir im Vorbeifahren in die Werkstätten der Handwerker. Konkret sind das erdgeschossige Räume in der Größe einer Doppelgarage und der Straßenraum davor. Darin wird Holz geschnitten, arbeitet ein Steinmetz oder es ist einfach ein Gemüseladen. Im Dorfzentrum sitzen die alten Leute und beobachten das Geschehen oder spielen Karten, manchmal Mahjongg.

In einem großen Bogen kommen wir nach Yangshuo zurück, am Stadtrand gibt es einen breiten Zweiradweg, den wir uns mit Motorädern teilen. Dann verdichtet sich das Geschehen, der Weg wird immer schmäler, eingeschränkt von mobilen Marktständen, Käufern, entgegenkommenden Motorrädern. Der chinesische Verkehr ist eine einzige Begegnungszone für mehr als 1 Milliarde Verkehrsteilnehmer. Rot heißt für Zweiräder jeder Art nur etwas langsamer quer über die Kreuzung zu fahren, unbeleuchtet sowieso; Rechtsverkehr gilt für sie auch nur bedingt. Aber alles nimmt seinen Lauf, langsam und umsichtig kommt jeder an sein Ziel und in der ganzen Zeit haben wir nur die Folgen eines Unfalls und eigentlich kaum brenzlige Situation miterlebt, wohl aber alte Leute mutterseelenallein in der Mitte einer sechsspurigen Straße trippeln gesehen. Alle Sinne sind jetzt gefragt und mit etwas Umsicht und der Orientierung an der bunten Kleidung des Vorausfahrenden, finden wir die letzten Kilometer durch das Stadtgetümmel bis zu unserem Restaurant. Nach dem Essen machen wir noch einen Abstecher zum gegenüberliegenden Markt. Zhang, unser kundiger Führer, der uns seit der Ankunft in Guilin mit seinem Bariton-Lachen begleitet lässt keine Frage unbeantwortet. Ein Universum an Pflanzen, Gewürzen, Tieren, Gewürzen und Geschmäckern tut sich auf. Es gibt ganz offensichtlich fast nichts, was man in China nicht zu Essen verarbeiten kann. An dem Laden mit dem Hundefleisch hat man dann als Europäer auch nicht so genau hinsehen wollen. Auf kurzem Wege geht es zurück zum Hotel und der Nachmittag gehört der Regeneration am Pool oder im Massagesalon in der Stadt. Und von der Terrasse hat man einen wunderbaren Blick auf den Sonnenuntergang hinter den Karstkegelbergen.

Am Abend besuchen wir noch die Open Air Show Impression Sanjie Liu. Am Ufer des Li Flusses wurde hier eine riesige Theatertribüne aufgebaut, wo 2-3-mal pro Abend dieses einstündige Spektakel aufgeführt wird. 600 SchauspielerInnen erzählen eine alte romantische chinesische Sage mit Musik, Gesang, vielen Booten und schönen Farbeffekten. Im Hintergrund sind immer wieder die Karstkegelberge angeleuchtet. Insgesamt ein imposantes Erlebnis. Für uns störend aber auch interessant ist der Kunstgenuss der chinesischen Besucher rund um uns. Es wird ständig geredet, telefoniert, herumgegangen und noch vor dem Ende verlassen die meisten die Tribüne. Wir Langnasen bleiben bis zum Schluss, applaudieren allen AkteurInnen und sind dann die letzten, die das Gelände verlassen.

Tag 19 / Teeplantage in Guilin – Floßfahrt am Li Fluss/Yangdi inklusive Kartskegelberge und erste Nacht in Yangshuo

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Vormittags fahren wir zurück nach Guilin, diesmal auf der Autobahn und finden dort zwischen den Häusern der Vorstadt eine Teeplantage mit angeschlossenem Forschungsinstitut. Wir erhalten eine interessante Demonstration des Zusammenhangs von Blattgröße und Tee-Qualität beim Pflücken, sowie über die weitere, händische Bearbeitung. Es folgen eine Verkostung und Produktpräsentation als Vorbereitung auf die unvermeidlich folgende Passage durch den Verkaufsshop.

Guilin mutet durch seine Lage am Fluss und zwischen ersten Karstkegeln fast wie eine europäische Stadt an, die ihren ursprünglichen Maßstab in der Innenstadt behalten hat. Das Klima hier ist auch Ende Oktober noch sehr mild. Wir haben Sonnenschein und 25 Grad.

Nach dem Mittagessen fahren wir 1 Stunde bis Yangdi, eine der schönsten Stellen am Li Fluss. Der Tag ist fortgeschritten und wir sind die letzten Touristen. Alles verläuft ruhig, die Bootsführer versammeln sich, eine kurze Diskussion über das Trinkgeld, das im Vorhinein verlangt und bezahlt wird, führt zu einer Verzögerung. Auf kleinen Floßen für je 4 Personen mit einem langen Außenbordmotor tuckern wir flussabfwärts. Links glühen die pitoresken Kegelberge in der Abendsonne auf, während rechts die Silhouetten als Kegelschnitte im Gegenlicht erscheinen. Bambus säumt die Ufer und mit dem abnehmenden Licht kommt ein Gefühl auf, das an die Filmsequenz der Flussfahrt im Film „Apokalypse now“ erinnert. Aufbruch ins Ungewisse! Nach 50 Minuten wenden wir und navigieren vorsichtig mit einer Flotte von großen Ausflugsbooten über die Untiefen zurück. Frischer Wind kommt auf und als wir im Bus sitzen wird es schon dunkel.

Nach einer Stunde bestaunen wir das quirrlige Nachtleben von Yangshuo. Bunte Lichter und Garküchen, hotelgesäumte Straßenfluchten, hinter denen von Zeit zu Zeit geheimnisvoll Felswände auftauchen. Wir lassen das bunte Treiben links liegen und fahren in das nahe Dorf am Fluss. Ein großer Kampferbaum weist uns den Weg zu unserem Quartier „The giggling tree“ das wir durch ein Bilderbuchtor betreten. Sieben ehemalige Bauernhäuser, aufgereiht um einen Hof wurden hier von niederländischen Reiseführern in einfacher Form adaptiert und eine kleine europäische Enklave geschaffen. Ein paar Schritte vor das Haus zu später Stunde, dunkle Nacht und umgeben von Kegelbergen im Mondlicht. Die allgemeine Betriebsamkeit von China scheint weit weg.

Tag 18 / Reisterrassen rund um das Bergdorf Ping’An

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Im Bergdorf Ping’an, das von der Zhuang und der Yao Minderheit bewohnt wird, wachen wir in der wunderbare Welt der Longji Reisterrassen (übersetzt bedeutet das Drachenrücken) auf. Verglichen mit Peking und Xian ist das ein Sprung in eine andere Welt. Das Dorf klebt wie ein Vogelnest am steilen Berghang, der von unendlich vielen bis zu 1 m schmalen Reisterrassen wunderschön geometrisiert und in ein lineares Ornament verwandelt wird. Ping‘an ist autofrei und es ist kaum vorstellbar, dass all die neuen oder in Bau befindlichen Gebäude samt ihren Ausstattungen von A bis Z vom Parkplatz von Mensch und Tier heraufgetragen wurden. Wir wandern frühmorgens noch ein gutes Stück hinauf, umkreisen das Dorf auf von Platten gepflasterten Wegen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Dann geht es weiter auf schmalen Wegen zu den Nachbardörfern. Durch kleine Täler und üppige Wälder entlang treffen wir immer wieder auf kleine Bäche, abgelegene Reisterrassen und verstreuten Grabmäler mit den Spuren der Totenverehrung z.B. in Form von Papiergeld. Die geschäftstüchtigen Yao-Frauen versuchen an dem, hauptsächlich chinesischen, Tourismusboom zu partizipiere und wenn es nur in der gekonnten Präsentation ihrer Haartracht ist, die sich durch ihre Länge und ihr tiefes Schwarz bis ins hohe Alter auszeichnet und mit ihrer bunten Tracht hochgesteckt getragen wird. Es gibt aber auch die anderen Zeichen der nahenden Zivilisation: die neuen Zufahrtsstraßen, die im Grün der Landschaft tiefe Narben hinterlassen und auf denen überladene LKWs mühsam die Güter heraufbefördern, während die Einwohner aus den weniger begünstigten Siedlungen in die Stadt abwandern. Nach 5 Stunden kurzweiliger Wanderung kommen wir im Zielort an und werden mit dem „Tälerbus“ mit neuer Bestzeit nach Ping‘an zurückgefahren. Nach einem kurzen Regenerationspäuschen geht es für die Interessierten in die Küche, wo wir an der Zubereitung von Teigtaschen und Bambusreis mitwirken. Letzterer wird mit gewaschenem, 30 min eigeweichtem Reis in Bambusrohre zusammen mit etwas Sojawasser gefüllt und ca. 20 Minuten über offenem Feuer gebraten. Serviert wird Reis, dem Risotto nicht unähnlichen, im aufgespaltene Bambusrohr.

Tag 17 / von Zhengzhou mit 304 kmh nach Guilin und Aufstieg in das Bergdorf Ping’An

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Noch einmal müssen wir heute zu nachtschlafener Zeit aus dem Bett. Der Bus startet um 6 Uhr und bringt uns zum wieder am Stadtrand gelegenen riesigen neuen Bahnhof, wo wir heute sogar 2 Sicherheitschecks absolvieren müssen. Um 7:48 h startet unser Hochgeschwindigkeitszug ins 1300 km entfernte Guilin im Süden Chinas. Dafür braucht er etwas mehr als 7 Stunden. Wir reisen heute 1. Klasse und das ist sehr angenehm. In breiten bequemen verstellbaren Sitzen genießen wir die Fahrt durch halb China, überqueren in Wuhan den großen Fluß Jangtse, bekommen Getränke und Mittagessen serviert.

Am Nachmittag kommen wir in Guilin an. Eine Ankunft die Erinnerungen an erste Urlaube im Süden weckt: Sonnig und warm, tropische Pflanzen und Blumenbeete allenthalben. Kein Wunder, wenn man sich auf dem Breitengrad von Kairo bewegt. Schon auf dem Weg aus der Stadt geben die Karstkegel einen Vorgeschmack auf das kommende Programm. Wir kurven auf einer Landstraße durch die Felder und später mit wagemutigen Überholmanövern über Bergstraßen. Dass die Autobahn auf der anderen Talseite erst vor ein paar Tagen eröffnet wurde und dem Busfahrer die Auf- und Abfahrten noch nicht geläufig waren erfahren wir erst bei der Rückfahrt. An der Grenze des Naturschutzgebietes wechseln wir in einen kleineren Bus und schrauben uns über steile, dichtbewaldete Hänge hinauf nach Pingan. Schnell geht die Dämmerung in Nacht über und wir tasten uns durch das halbdunkel auf schmalen Wegen, begleitet vom Plätschern unsichtbarer Bäche und dem sanften Rauschen des Bambus mit unserem reduzierten Gepäck bis hinauf ins Hotel. Vielversprechende erste Eindrücke für den kommenden Tag.

Das Familienhotel hat 3 Stockwerke auf steilem Hang, entspricht aber in dem familiären Betrieb eher unserer Erfahrung von Urlaub am Bauernhof. Ob die Sprinkler an der Zimmerdecke Dekor ist oder funktionieren würde bleibt gottseidank eine theoretische Frage. Das Abendessen schmeckt nach dem kurzen Aufstieg umso besser.

Tag 16 / Xian – Longmen-Grotten – Shaolin Tempel

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Am frühen Morgen fahren wir mit dem Hochgeschwindigkeitszug (2. Klasse) ca. 90 Minuten nach Luoyang Longmen. Die Neuen Hochgeschwindigkeitsbahnhöfe liegen an der Peripherie und ähneln eher Flughäfen, in Dimension und Sicherheits-Kontrolle. Aus den Morgennebeln ziehen die Silhouetten von Hochhausclustern und Kraftwerken ebenso vorbei, wie Felder und kleine Höfe.

In Luoyang (eine Kleinstadt mit 1,9 Mio. Einwohner, wie Wien) angekommen, besichtigen wir die Longmen Grotten. Sie liegen an den Felswänden eines schmalen Flussdurchbruches, des Drachentors. Der Bau der Grotten begann in der Nördlichen Wei Dynastie und dauerte ca. 400 Jahre bis in die Zeit der Tang-Dynastie. Es gibt hier insgesamt 2345 Nischen, über 100.000 Buddhastatuen und mehr als 2800 Inschriften. Die größte Statue ist der 17,14 Meter hohe Buddha Vairocana während die kleinste Mikrogravur-Buddhafigur in einem flächigen Muster nur 2 Zentimeter beträgt. Je nach Einsatz der finanziellen Mittel konnte man sich eine Nische in der standesgemäßen Größe bestellen. Auch wenn die Gesamtanlage in den letzten 200 Jahren mehrfach geplündert und devastiert wurde, geht von den verbliebenen Resten eine ungeheure Wirkung aus.

Nach einem kurzen aber umfangreichen Mittagessen fahren wir mit dem Bus in Richtung Zhengzhou und machen einen Stopp in Dengfeng beim Shaolin Tempel (Ursprungskloster des Shaolin Ordens). Es ist berühmt für seinen Kampfkunststil „Shaolin Kung Fu“. Das Kloster gilt außerdem als die Geburtsstätte des historischen Chan-Buddhismus, des Vorläufers des Zen.

Wie bei allen großen Sehenswürdigkeiten ist auch hier der Andrang an einem Wochentag enorm. Souverän werden die Massen kontrolliert, dirigiert, durchgeschleust und in der Verkaufsshow gemolken. In dem inzwischen sehr irdischen Kloster benötigt man tatsächlich die Gelassenheit des Zen, um das Alles zu ertragen und auszublenden, wie „Lonely Planet“ treffend anführt. Man sollte die Bibel des Individualtourismus bei der Buchung einer Gruppenreise ebenso zu Hause lassen, wie die Souveränität über die eigene Zeiteinteilung. Zu später Stunde, nach einem Stau um 19:30 vor dem Gymnasium, erreichen wir das Hotel in Zhengzhou, der Hauptstadt der Provinz Henan, und stürzen uns in das (kulinarische) Nachtleben der Garküchen. Als wir kurz vor Mitternacht im Bett waren, war von Laden- und Küchenschluss noch keine Spur. Kein Wunder bei 8 Millionen Einwohnern.

Tag 15 / Xian – Pagode, die große Moschee & mit dem Fahrrad auf der Stadtmauer + nächtliche Licht & Wasserspiel

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Ganz im Gegensatz zu Peking und Shanghai ist hier noch viel von der alten Substanz erhalten. Im Rahmen einer Stadtrundfahrt machen wir einen Stopp bei dem Wahrzeichen der Stadt: der Großen Wildgans Pagode. Der ursprüngliche Tempel aus der Sui Dynastie wurde im Jahre 647 von Kaiser Gaozong zu Ehren seiner Mutter ausgebaut. In diesem Tempel lebte der berühmte Mönch Xuanzang, der 17 Jahre durch Indien gereist war und dort den Buddhismus kennengelernt hatte. Seine abenteuerliche Reise ist in dem in China populären Buch „Die Reise nach dem Westen“ beschrieben. Die buddhistischen Schriften, welche er von dieser Reise mitgebracht hatte, übersetzte er in diesem Tempel. Diese wurden ursprünglich in den 7 Stockwerken des Pagodenturms aufbewahrt.

Die Stadtmauer von Xi’an wurde im 14. Jh. erbaut und in den 1980er Jahren renoviert. Wir machen mit dem Fahrrad eine volle Runde (13,6 km) auf dieser größten, weitgehend erhaltenen Stadtmauer in China. Ein großartiges Erlebnis, mit Einblicken auf die Innenstadt und Ausblicken auf den Belagerungsring – auch wenn die Räder ziemlich klapprig sind.

Nach dem Mittagessen spazieren wir durch das muslimische Viertel und den Basar bis zur großen Moschee aus dem 8. Jh. Das heutige Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, ist dem chinesischen Baustil angepasst und von Gärten umringt.

Am Abend gab es ein Angebot für eine Lichterrundfahrt in einen Themenpark.

Gelandt sind wir nahe der Wildganspagode in einem neue entwickelten Stadtgebiet. Entwickelt wahrscheinlich von der Stadt und privaten Investoren wurde entlang einer städtebaulich inzensierten Achse mit Nachbauten im Stile der Tang Dynastie eine Mischung aus Einkaufszentren, Museen, Konzertsälen und eben dem eigentlichen Themenpark aufgereiht. Eine wilde aber beeindruckende Mischung aus martialischen Denkmälern und technologischen Lichtinszenierungen, und einer allabendlichen Multimdia-Wassershow. Höhepunkt für uns war aber ein zufälliger Abstecher ins Nachtleben der Chinsesen, die sich auf dem Boulevard vor den westlichen Filialen zu gemeinschaftlichen Tanz trafen und sich dort in den verschiedensten internationalen Rhythmen inkl. traditionellen chinesischen Tänzen übten.

Tag 14 / Terrakotta Armme in Lintong – Teigtaschen & Basar im moslemischen Viertel

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Nach einer Fahrt von 1100 km in Xi’an („Westlicher Friede“) angekommen, werden wir von unserem örtlichen Guide Man abgeholt und ab geht’s ins Hotel. Von dort fahren wir mit unserem Bus ca. 1 Stunde nach Lintong, wo sich die Grabstätte des ersten Kaisers Qinshihuang befindet. Sie ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts. 700.000 Zwangsarbeiter waren 36 Jahre lang mit dem Bau beschäftigt und wurden nach Beendigung vom Tyrannen lebendig begraben.

Die Armee lebensgroßer Tonsoldaten (Terrakotta Armee), die die Grabkammer des Kaisers schützen soll, wurde 1974 zufällig von Landarbeitern entdeckt. Bisher wurden mehr als 3000 Soldaten und Pferde sowie mehr als 40.000 Waffen ausgegraben und restauriert, geschätzte weitere 5000 Figuren sind noch unterirdisch verborgen. Wir bewundern in verschiedenen Gruften und Hallen die Ton- und Bronzefiguren. Täglich werden hier 10.000 Leute durchgeschleust, aber es funktioniert bestens und ohne irgendwelche Wartezeiten. Und natürlich hat sich um das ganze Museum auch eine große Konsumindustrie entwickelt. Unsere Man manövriert uns „Zak Zak“ durch die Ausstellungen, vergönnt uns aber auch immer wieder ein „Päuschen“. Wir probieren frisch gepressten Granatapfelsaft, bekommen eine Teeverkostung und endlich wieder einmal einen richtigen guten Kaffee.

Am Abend gönnen wir uns in einem traditionellen Restaurant das typischen Teigtaschenbankett mit 16 verschieden gefüllten und geformten Teigtaschen aus Nudelteig und verschiedenen Vorspeisen. Es war wieder ausgesprochen köstlich. Xian ist überhaupt die Nudelhauptstast Chinas.

Danach bummeln einige von uns noch durch den quirligen Basar im moslemischen Viertel gleich nebenan. Wir sind überwältigt vom Treiben, von den Düften und den Farben. Hauptsächlich wird hier Essen angeboten. Zwischen den Menschenmengen bahnen sich immer wieder unbeleuchtete Mopeds, meist mit E-Antrieb ihren Weg. Eine völlig andere Welt.

Tag 13 / Peking – Xian

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Die vereinbarte Begegnung mit der Redaktion der größten chinesischen Frauenzeitschrift „China Women“ muss leider abgesagt werden. Die Zeitung musste wegen des gerade stattfindenden Parteitages unser Treffen von der Partei genehmigen lassen (inklusive der vorab geschickten Fragen) und diese Genehmigung haben sie nicht erhalten.

Statt dessen treffen am Vormittag in der ganz in der Nähe liegenden Kathedrale den niederländischen Pater Jos Simons, der in Peking für die Pariser Mission arbeitet und uns über die Situation der Christen und der Kirche im Land erzählt. Er selbst ist offiziell Tourist, denn Ausländer dürfen nicht als Priester tätig sein. Aber natürlich weiß die Behörde was er hier macht. 5 Religionen sind in China offiziell anerkannt: Buddhismus, Taoismus, Islam, katholische und evangelische Kirche. Gerade die beiden christlichen Religionen (und hier mehr die evangelische) haben insbesondere seit der Olympiade 2008 einen großen Zulauf. Man darf seinen Glauben praktizieren, aber es fördert nicht unbedingt die Karriere und als Parteimitglied darf man nicht einer Religionsgemeinschaft angehören. In China gibt es außerdem 2 katholische Kirchen: die offizielle vom Staat anerkannte, deren Bischöfe vom Staat ernannt werden. Und die Untergrundkirche, deren Bischöfe von Rom ernannt werden. Im Hintergrund laufen aber intensive diplomatische Bemühungen zwischen Rom und Peking um hier eine Lösung zu finden. Und für Pater Simins ist es ein realistischer Traum, dass der Papst eines Tages China besuchen wird.

Wir gehen zurück ins Hotel, checken aus und haben jetzt noch den ganzen Nachmittag in der Stadt. Wir fahren zuerst zum beeindruckenden buddhistischen Lama Tempel und bewundern die größte Buddha Statue aus Sandelholz (Guinness Buch der Rekorde) und die insgesamt sehr schöne Anlage. Überall beten Menschen und es riecht nach Räucherstäbchen. Dann geht’s zum wieder sehr guten Mittagessen und danach noch hinaus zum Olympiastadion „Schwalbennest“.

Um 20:40 h fährt unser Nachtzug vom riesigen Pekinger Westbahnhof nach Xian ab. Wir sind viel zu früh da (der Verkehr war nicht so schlimm wie befürchtet) und nach den Sicherheitskontrollen lassen wir uns gegen eine Gebühr von 10 Yuan (1,5 €) im VIP Bereich nieder. Die Klos dort sind aber alles andere als VIP : (

Dann wird unser Zug aufgerufen. Wir reisen in komfortablen „Soft Sleeper“ 4-Bett-Abteilen (manche leisten sich ein 2-Bett Abteil). Die Transsibgruppe hat sich rasch wieder eingerichtet, die anderen brauchen etwas länger, aber bald haben es sich alle mehr oder weniger gemütlich gemacht. Die Betten sind deutlich weniger soft aber dafür breiter als im russischen Zug und der Platz für die Koffer ist auch weniger. Aber es reist sich gut und das Bordservice verkauft Bier, Snacks und man kann sich für den Morgen Kaffee bestellen.

Tag 12 / Ausflug zur großen Mauer bei Gubeikou

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120 km nordöstlich von Peking liegt der sogenannte „wilde“ Mauerabschnitt Simatai, wo die chinesische Mauer teilweise noch im Originalzustand ist. Wir fahren ca. 3 Stunden mit dem Bus zu diesem grandiosen Bauwerk. Seit dem 7. Jh. vor Christus haben die Fürsten und Herren, Könige und Kaiser permanent die Mauer als Grenz- und Wehranlage gebaut. Sie ist die größte menschliche Leistung der Geschichte mit einer Gesamtlänge von mehr als 21.000 km und wirklich unglaublich beeindruckend. Was wir heute sehen, entstand in der Ming-Dynastie (1368-1644).

Am Fuß des Berges liegt das auf einem antiken Dorf entstandene Wasserdorf Gubei, das sich allerdings leider als ziemliche Mogelpackung und chinesisches Phantasiedorf mit Schnapsbrennerei, Tuchfärberei, ganz vielen „Läden“ für Snacks, romantischem Kanal etc. entpuppte, das erst vor 3 Jahren als Museumsdorf erbaut wurde. Nichts ahnend stolperten wir da mit der Reiseführerin hinein, die wiederum von einer lokalen Führerin durch das Dorf begleitet wurde, die uns erst in die Freiheit entließ als wir am Ausgang des Dorfes bzw. Eingang zur Mauer waren.

Von dort bestiegen wir dann das großartige Bauwerk und wir konnten bis zum 10. Turm teilweise ziemlich steil hinaufsteigen. Einige fuhren auch ein Stück mit der Seilbahn.
Die Weite und Größe der Mauer, die sich bis in die Ferne über die Berge und Hügel zieht, war beeindruckend und das Wetter passte perfekt dazu.

Mit dem Bus ging es zurück nach Peking, wo wir abends wieder ein gutes Essen am Drehteller genossen. Und dann noch Verabschiedung von Niki und Maria aus unserer Transsib-Gruppe, die morgen um 6:00 schon Richtung Heimat aufbrechen.

Wir hingegen dürfen etwas länger schlafen, denn wir haben Morgen ein Treffen mit der Kaht. Kirche von Peking die gleich ums Eck liegt.

Tag 11 / Peking: Tiananmen, Verbotene Stadt und Himmelstempel

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Heute erkunden wir die Hauptstadt Chinas mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir fahren zuerst zum Tiananmen Platz (Platz des himmlischen Friedens), dem größten Platz der Welt, eine beein­druckende riesige Pflastersteinwüste mit dem Mao-Mausoleum. Während der Kulturrevolution nahm Mao Zedong hier die Paraden von bis zu 1 Million Menschen ab. Der Platz hat 1989 traurige Berühmtheit erlangt, als die Volksbefreiungsarmee die friedlich demonstrierende Demokratie­bewegung brutal vom Platz drängte und dabei in den umliegenden Straßen viele Menschen ihr Leben lassen mussten (eine genaue Zahl ist nach wie vor nicht bekannt).

Die U-Bahn ist am Sonntag schon ziemlich voll, wie wird es dann erst unter der Woche sein, wenn die Menschenmassen darin zur Arbeit fahren. Vor jeder U-Bahn-Station gibt es strenge Kontrollen wie am Flughafen und überall ist wieder der Staat präsent. Unglaublich. Auch am Tienanmen muss man durch strenge Kontrollen. Wir haben Glück und können heute auf den Platz. In den letzten Tagen war er wegen des Parteitags überhaupt gesperrt.

Einige von uns lassen es sich nicht entgehen und statten dem einbalsamierten Mao in seinem Mausoleum einen Besuch ab. Ein sehr schräges Gefühl, am Leichnam dieses Menschen vorbeizugehen, um den in China noch immer ein Staatskult betrieben wird und von dem viele Chinesen nicht wissen, was er alles getan hat.

Von dort aus spazieren wir durch das Tor des himmlischen Friedens in den Kaiserpalast, auch Verbotene Stadt genannt. Die größte Palastanlage der Welt diente insgesamt 24 chinesischen Kaisern aus der Ming- und Qing Dynastie als Residenz. Wir können natürlich nur einen Bruchteil der 9999 Raumeinheiten besichtigen. Bei schönem Wetter können wir den Jingshan Hügel besteigen, von oben hat man einen wunderschönen Blick über die goldenen Dächer des Kaiserpalastes und die Innenstadt.

Nach dem Mittagessen fahren wir mit dem öffentlichen Bus (jetzt sind wir schon richtige Öffi-Profis) zum Himmelstempel, der im 15. Jh. errichtet wurde. Die 38m hohe Halle der Ernteopfer ist eine komplette Holzkonstruktion ohne einen einzigen Nagel und gilt als der schönste Sakralbau Chinas. Heutzutage ist die Parkanlage des Himmelstempels ein beliebter Treffpunkt für die Pensionisten, die hier Karten spielen, Kalligraphie üben, tanzen und musizieren. Eine wunderschöne Anlage. Und jetzt kommt auch die Sonne wieder.

Am Abend gehen wir gemeinsam Peking-Ente essen in einem sehr feinen Lokal, das Lin ausgesucht hat. Wir essen alles von der Ente, sogar die Schwimmhäute – das erfuhren wir zum Glück aber erst im Anschluss. und der Darm war zu gummelig. Insgesamt schmeckt es uns aber sehr gut und auch das Ambiente in einem großen Separee mit 2 riesigen runden Tischen ist wirklich schön.

Zur Verdauung gehen wir zu Fuß zurück zum Hotel und noch einmal über den jetzt wunderschön beleuchteten Tienanmen-Platz. Das dauert schon ungefähr eine Stunde, tut uns aber wirklich gut.

Ach ja, WhatsApp, Facebook & Co. funktionieren in China nicht, sind einfach gesperrt. Und auch das Befüllen des Blogs ist nicht ganz einfach.

TAG 10 / Peking/Beijing wir kommen

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Beim Packen und Umsortieren ein letztes mal Schwitzen im Zugabteil und noch schnell ein Glas heisses Wasser vom Samowar für den Frühstückstee. Pünktliches Eintreffen in Beijing am Samstag um 5:49 h nach 9.025 km, auf denen es niemals langweilig war. Durch die Bahnhofskontrollen vorbei, erblicken wir beim Transport in’s Hotel Grand Mercure die ersten Eindrücke der 21 Millionen Stadt. Ein erster Rundgang zeigt uns fast leere Straßen da es noch früh und Samstag ist. Auffällig ist die Polizei, Militär und Wachbeamtenpräsenz, da seit 18. Oktober der Parteitag in der Großen Halle des Volkes in unmittelbarer Nähe des Hotels statt findet. Und, ein Kaffe ist auch schwer zu kriegen, da ausser dem McDonalds die Cafes der Pekinger Einkaufsmeile erst um 8:00 die Pforten öffnen. Um 9:30 treffen wir auf die restliche Reisegruppe, die direkt nach Beijing flog. Der erste Ausflug geht in den Sommerpalast Yi He Yuan (Erholungs- und Friedensgarten), mit seinen 290 ha die größte kaiserliche Parkanlage in China. Die kaiserliche Familie verbrachte hier gerne bis zu acht Monate und regierte dann von hier aus und empfing die ausländischen Gesandten. Vor uns brietet sich der künstlich angelegte Kunming See aus, von wo aus die Nachbildung der Marco Polo Brücke und der Pavillon des buddhistischen Wohlgeruchs auf dem Berg zu sehen ist. Anschließend flanierten wir entlang des 728m langen Wanderganges, der einer Bildgalerie gleicht, bis zum Marmorboot. Zurück fuhren wir mit dem Drachenboot. Unser nächster Programmpunkt war das Mittagessen auf klassisch chinesisch mit einer Drehplatte auf der uns Reis, knuspriges Huhn, Rind mit Zwiebel, Melanzani und Brokkoli, Schwein mit Maroni und Fisch serviert wurden.Alle übten sich im Gebrauch der Stäbchen und es schmeckte echt fein. Gestärkt ging es dann durch die engen Gassen der historischen Altstadt die Hutongs genannt werden. Ein ursprünglicher Ortsteil in dem noch die traditionellen alten Wohnhöfe zu sehen sind und der in ein beliebtes Ausgehviertel neben dem Kanal mündet. Nachdem alle erschöpft vom frühen Aufstehen bzw. Jetlag der Flugreisenden mit immerhin einer Zeitverschiebung von 7h waren, ging es dann schon um 16 Uhr ins Hotel, wo wir unsere gemütlichen Zimmer beziehen konnten.

 

Tag 9 / Durch Nordchina

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Am Morgen erschließt sich uns eine andere Landschaft. Draußen gibt es viele Felder, meist mit Mais bepflanzt, auf denen viele Menschen händisch arbeiten. Immer wieder sehen wir einen ca. 2m Streifen Kukuruz, der aus irgendeinem Grund stehen gelassen wird. Ab und zu ist ein kleiner Mähdrescher zu sehen. Es ist hier alles viel dichter besiedelt als noch gestern in Sibirien, und es wird überall gebaut.

Zu Mittag haben wir einen längeren Halt in der nordchinesischen Millionenstadt Harbin. Doch wieder das gleiche wie gestern Nacht: wir dürfen nicht weg vom Bahnsteig. Freundlich aber bestimmt weist uns das mehr als ausreichend vorhandene Wach- oder Polizeipersonal zurück. Wir sind enttäuscht und merken, dass hier ganz andere Regeln gelten als im vermeintlich auch nicht freien Russland.

Unser russisches Zugpersonal nimmt es jenseits der Grenze auch nicht mehr ganz so ernst und die Schaffner stehen in den Bahnhöfen nicht mehr stramm vor den eigenen Türen und machen es sich teilweise bequem in den leeren Abteilen.

So fahren wir heute also gemütlich durch dieses neue Land, staunen über die anderen Sitten, über die riesigen Häuser, die überall aus dem Nichts wachsen und die Speisewagenkellnerin, die das Fotografieren der Speisekarte gar nicht lustig findet und deswegen ganz streng reagiert.

Und wir realisieren mit Wehmut, dass das unser letzter bequemer Tag im Zug ist. Denn ab Morgen haben wir den ganzen Tag etwas zu tun. Ein spannendes Programm wartet auf uns : )

 

TAG 8 / Grenzübertritt & Fahrgestellwechsel

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Als wir aufwachen ist die Landschaft draußen ganz anders. Weites Steppenland ab und zu von einem Fluss durchzogen, hie und da weiden Kühe oder Pferde, die völlig frei herumlaufen. Wir sind jetzt schon 6 Zeitzonen östlich von Moskau. In Borsja wird die E-Lok auf Diesellok umgestellt. Die ersten Anzeichen auf einen spannenden Grenzübertritt in 120 Minuten. Die beiden Grenzbahnhöfe Sabaikalsk (Russland, Donnerstag Nachmittag) und Manzhouli (China, Donnerstag Abend) beschäftigen uns mehrere Stunden, denn Grenzformalitäten und der Fahrgestellwechsel auf die chinesische Schienenbreite brauchen ihre Zeit.

Um 14:30 Uhr Ortszeit erreichen wir Sabaikalsk. Wir müssen alle aussteigen und der Zug wird in eine riesige Halle geschoben, wo die Waggons auf die schmäleren chinesischen Gleise umgespurt werden. Das dauert ca. 3 Stunden, währenddessen wir uns die Stadt anschauen. Hier ist man am gefühlten Ende der Welt. Plattenbauten, heruntergekommene Holzhäuser hinter löchrigen Zäunen, dazwischen auch normale Häuser. Dann fährt der Zug wieder in den Bahnsteig ein, wir gehen in unsere Abteile und es beginnt die russische Ausreisekontrolle mit Drogenhund und harmloser Visite. Zwei Deutsche im Zug, die das Visum um 1 Tag überzogen haben, müssen allerdings Strafe zahlen.

Pünktlich um 13:05 Uhr Moskauer Zeit / 19:05 Uhr lokale Zeit geht es weiter. Wir fahren ca. 20 Minuten hinüber zur chinesischen Grenzstation Manzhouli. Es wird auf Peking-Zeit (jetzt 18:30 Uhr – zu Hause 12:30), die in ganz China gilt, umgestellt. Auf der einen Seite ein riesiges Bahnhofsgebäude und auf der anderen eine grell beleuchtete Hochhaus-Skyline, die ein bisschen an Las Vegas erinnert und uns etwas irritiert.

Der chinesische Zoll nimmt seine Sache sehr ernst. Er durchwühlt viele Koffer, will Fotos auf Computern sehen und durchblättert Bücher. Nach Lebensmitteln wird nicht gefragt, obwohl wir davor gewarnt wurden. Bei der Passkontrolle heißt es „stand up“ und Brille runter und es beginnt ein genauer Gesichtsvergleich. Die ganze Prozedur dauert ca. 2 Stunden. Während dieser Wartezeit ist auch das Klo gesperrt. Endlich um 21 Uhr dürfen wir hinaus und haben wieder frei bis zur planmäßigen Abfahrt um 23:59 Uhr. „Frei bewegen“ bedeutet hier: wir dürfen uns auf dem Bahnsteig und im dahinterliegenden Gebäude bewegen. Dort gibt es Toiletten und einen kleinen Shop, der auch die einzige Wechselmöglichkeit zu einem unverschämten Kurs (5 statt 7 Yuan für 1 Euro) bietet und von einer chinesischen Matrone beherrscht wird. Las Vegas ist zwar in Sichtweite, aber wir dürfen nicht hin. Vielleicht in Wirklichkeit ein potemkinsches Dorf?

Nachdem es draußen sehr kalt ist, probieren wir den neu angehängten chinesischen Speisewagen aus und bekommen das erste chinesische Essen, natürlich mit Stäbchen und einem warmen Heineken-Bier. Bezahlt werden muss sofort nach der Bestellung und die Kellnerin hat einen Charme, der sich uns nicht wirklich erschließt. Wir vermissen Svetlana und die Zwillinge im russischen Speisewagen

Das Gefühl, endlich wirklich in Asien angekommen zu sein macht sich breit. Pünktlich um 23:59 h fährt der Zug los und nach einem russischen Schlaftrunk bei den Nachbarinnen gehen wir schlafen.

TAG 7 / entlang des Baikalsees

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Mittwoch 18.10. um 8:12 h Abfahrt mit Zug Nr. 20 am Irkutsker Bahnhof weiter Richtung Peking. Noch immer beeindruckt von der eineinhalbstündigen Bootsfahrt und der Gastfreundschaft von Schiffskapitän Dimitrij (Speck, Wodka und Omul mit Kartoffel) nehmen wir stundenlang Abschied von der Schönheit des Baikalsees, der schon immer mit Schamanen, Mythen und Legenden verbunden ist. Auch als ein „Kronjuwel Russlands“, die „Perle Sibiriens“, oder auch als das „Heilige Meer“ liebevoll bezeichnet.

Der nächste Halt ist in Ulan-Ude (Nachmittag), der Hauptstadt der Republik Burjatien, die geschichtlich und kulturell stärker asiatisch geprägt ist als die Westküste des Baikalsees,

Hier zweigt die transmongolische Strecke von der Transsib- Hauptstrecke Richtung Ulan Bator und Peking ab.

Unser Zug Nr. 20 bleibt aber noch bis nach Tschita auf der Hauptstrecke Richtung Wladiwostok. Erst dann biegen wir mit der Transmandschurischen Eisenbahn Richtung Süden ab, um die Grenze zwischen Russland und China zu überqueren.

Im Zug haben wir uns schnell wieder gut eingerichtet und genießen die Fahrt entlang des Sees und der schneebedeckten Berge. Es gibt wieder ein nettes Zugteam und der Schaffner unseres Waggons spricht sogar ein paar Worte deutsch. Und in unserem Waggon gibt es auch das Duschabteil. Im Speisewagen wartet Svetlana mit einer ziemlich großen Auswahl an meist frisch zubereiteten Speisen. Natürlich ist auch Wodka im Angebot. Die kleinste Einheit sind sto gram (0,1 l), die es um wohlfeile 400 Rubel (ca. 6 Euro) zu kaufen gibt.

TAG 6 / Irkutsk

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Weiter geht es durch die unendlichen sibirischen Weiten. Früh Morgens um 7:18 h Ortszeit nach 5.185 km kommen wir in Irkutsk an und steigen mit Sack und Pack aus, um einen Tag Boden unter den Füßen zu spüren. Im Zug und auf den Bahnhöfen gilt nach wie vor die Moskauer Zeit (2.18 h). In Irkutsk sind wir aber jetzt schon 5 Zeitzonen östlich von Moskau.

Irkutsk (623.000 Einwohner) liegt an der Angara, die dem nur 60 km entfernten Baikalsee entspringt. Die Stadt ist mit zahlreichen Theatern und Museen eines der wichtigsten kulturellen Zentren Sibiriens und zählt zu den wenigen Städten, wo Beispiele reizvoller sibirischer Holzarchitektur im Stadtzentrum flächendeckend erhalten geblieben sind.

Lydia, eine Deutsch-Studentin begleitet uns vormittags durch die für uns überraschend beindruckende abwechslungsreiche Stadt.

Weiter geht’s mit dem Kleinbus in das 1,15 h entfernte Listwjanka am Baikalsee. Dort besteigen wir bei schönstem Wetter ein Boot und fahren entlang der Küste. Beeindruckend ist nicht nur der See und Blick zu den beschneiten Bergen am gegenüber liegenden Ufer sondern auch dessen Kubatur. Mit 1642 m der tiefste See der Welt, mit einer Länge von 636 km und mit einer Breite von 27km – 80km. Der Baikal ist damit das größte Süßwasserreservoir unseres Planeten. Leider bekamen wir keine der 60.000 Baikalrobben (Nerpa) zu Gesicht, dafür einen fast kitschigen Sonnenuntergang.

Im Winter misst das Eis zwischen 70 und 110 cm und wird dann auch mit Autos befahren.

TAG 5 / Krasnojarsk, Kansk-Enisejskij, Itanskaja…


Die Transsibirische Eisenbahn ist die Hauptachse des russischen Eisenbahnnetzes und das Verbindungsglied des asiatischen und des europäischen Bahnnetzes und auch heute noch eine der meistbefahrenen Bahnstrecken der Welt. Wie nicht anders zu erwarten erblickten wir in der Kältekammer Sibirien den ersten Schnee und auch kleine Teiche waren schon zugefroren. Eine einzige Rinderherde bekamen wir an einem Weiler, in der Nähe einer ehemaligen Kolchose, zu sehen. Während der Zug seine Geschwindigkeit gleichmäßig dahinfährt, stillen wir unseren Hunger mit frischem Brot, Piroschki (Brotteig mit Kartoffelfülle), Speck aus dem Mühlviertel, Käse aus Sibirien, getrocknete Fische frisch vom Bahnsteig und Bier aus Russland. Ungefähr alle zwei Stunden bleibt der Zug im Bahnhof einer größeren Stadt stehen und verschafft uns kurz Zugang zum internet. Der Aufenthalt dauert etwa 20 Minuten. Mitreisende in kurzen Hosen und warmen Jacken belagern den Bahnsteig, um einige Zigaretten rauchen zu können. Wir suchen die Kioske auf, bei denen wir unseren Reiseproviant auffüllen und auch eine inoffizielle Flasche Wodka erstehen. Geheimtipp in Ilanskaja sind die Babuschkas am Bahnsteig. Sie bieten eine große Vielfalt an kulinarischen Köstlichkeiten wie eingelegte Salzgurken, gekochte sibirische Kartoffeln, frische Piroggen, einen fantastischen Kraut-Roten-Rüben-Salat (unsere Vitamin-C Bombe des Tages) und warme Blinis an. Wir versorgen uns und schwelgen die nächste Stunde im Geschmack Sibiriens. Es scheint, als wäre die Tradition der Babuschkas gefährdet – schon jetzt patroullieren Polizisten am Bahnsteig und lassen die geschäftstüchtigen Frauen nicht mehr zu den Zügen. Und es nähert sich schon das Ende des ersten Teiles unserer Zugfahrt. Morgen früh um 7 Uhr Ortszeit (2 Uhr Zugzeit) werden wir in Irkutsk den Zug verlassen. Und man hört rundherum Mitreisende sagen, dass die Zeit viel zu schnell vergangen sei, es keine Minute langweilig war und dass man ruhig noch weiterfahren könnte.

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TAG 4 / Sibirien

Am Samstag Abend überquerten wir bereits den Ural und verließen damit Europa. Am Sonntag erreichten wir um 01:25 Moskauer Zeit frühmorgens Ekaterinburg, die erste große Stadt in Sibirien. Der Name Sibirien leitet sich angeblich von den tatarischen Worten „sib“ (schlafen) und „ir“ (Erde) ab und bedeutet somit „schlafende Erde“. Sibirien umfasst ein Gebiet von rund 9,6 Mio km2 und hat 23 Mio. Einwohner, was durchschnittlich nur 2,4 Einwohnern pro km2 entspricht. Die wirtschaftliche Grundlage Sibiriens bilden die reichen Rohstoffvorkommen (Kohle, Eisenerz, Erdöl). Die Anbindung durch die Transsib bewirkte einen Aufschwung der Wirtschaft in Sibirien und Fernost und massive Zuwanderung in diese Regionen (1892 war Baubeginn der westsibirischen Strecke). Städte, die an der Eisenbahn lagen, entwickelten sich zu großen Ballungszentren und Industriestandorten wie etwa Novosibirsk. Diese 1,5 Millionen Metropole am mächtigen Fluss Ob, ist die größte Stadt Sibiriens und die drittgrößte Russlands. Wir erreichten sie um 21:00 h Moskauer Zeit, aber auf Grund der Zeitverschiebung war es bereits Montag 01:00 h. Vier Zeitzonen können ganz schön anstrengend sein.

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TAG 2 / ein Tag Moskau

Eine Stadtrundfahrt und das Besichtigen der wichtigsten architektonischen Sehenswürdigkeiten steht am Programm. Kreml, Neujungfrauenkloster, Basilius-Kathedrale, Universität etc. Auch das Moskau der Gegenwart hat viel zu bieten und ist eine pulsierende Metropole mit rund 15 Mio Einwohnern. Spannend ist auch die Moskauer Metro. Sie gehört zu den U-Bahn-Systemen mit den tiefsten Tunneln und Bahnhöfen der Welt. Deren einzelne Stationen sind aufgrund ihrer anspruchsvollen Architektur als unterirdische Paläste bekannt. Am Jaroslawer Bahnhof ist um 23:45 am Bahnsteig 5 Abfahrt mit der Transsibirische Eisenbahn Russija Nr. 02 Richtung Irkusk. Mit einem Tag Aufenthalt reisen wir dann später weiter nach Peking. Ein 4-Bett-Schlafabteil ist unsere neue Heimat und ein gemütlicher Speisewagen unser Wohnzimmer.

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