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Danke an Klemens Hager für die Einrichtung und Befüllung dieses Blogs, die gerade in China wegen gesperrter Internetseiten oft mühsam war. Danke an ihn ebenso für die vielen Fotos und deren Bearbeitung und Auswahl, was eine Menge Arbeit war. Danke an das „Redaktionsteam“ für den Teil Transsib unter der Leitung von Anna Kastner und an Josef Zapletal, der in China einen Gutteil der Texte geschrieben hat.

Und Danke an Christoph Mülleder und seinem Weltanschauen! Dadurch wurde diese tolle Reise erst möglich.

http://www.weltanschauen.at/

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Tag 25 / Suzhou, Venedig des Ostens oder Gartenstadt – Rückflug nach Österreich

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Einige machen am Vormittag eine Bootstour durch die großen und kleinen Kanäle der Stadt. Dann besuchen wir gemeinsam den kleinsten, aber feinsten Garten in der Stadt: Garten des Meisters der Netze mit seiner eleganten Struktur. Er ist auf einen Teich konzentriert und dekoriert mit Pflanzen, Steinen, Pavillons und Steinbrücken.

Nach einem letzten chinesischen Mittagessen (diesmal in einem Restaurant mit der gut gewürzten Küche aus der nordwestlichen Provinz Xianjiang) spazieren wir noch entlang der berühmten historischen Straße Ping Jiang Lu, wo man das typische Stadtbild am besten sehen kann.

Um 16:30 h fahren wir von Suzhou direkt zum Shanghai Hongqiao Flughafen. Wir checken ein, geben unsere letzten Yuan für ein letztes Tsingtao Bier aus oder tauschen sie bei unserer Hausbank Lin zurück in Euro. Abflug um 21:00 h mit Air China CA 1856 nach Peking. Ankunft in Peking um 23:00 h. Wieder ganz genaue Sicherheitskontrollen und Ausreise aus China. Alle dürfen das Land verlassen, niemand stellt einen Antrag auf Asyl, aber einige beschließen wiederzukommen in dieses riesige und spannende Land.

Tag 24 / von Shanghai nach Souzhou, das Venedig des Ostens

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In Abänderung des Programms konnten wir am Vormittag das vor 20 Jahren von IoMingPei geplante Shanghai Museum im Stadtzentrum besuchen, in dem in 4 Stockwerken ein Querschnitt der Chinesischen Kultur auf den Gebieten der Malerei, der Kalligrafie, der Siegel, Münzen, Möbel und des Bronzegusses gezeigt werden. Auch im Schnelldurchlauf konnte man einen Eindruck von der Meisterschaft auf diesen Gebieten gewinnen. Diese Eile war vor allem für diejenigen geboten, die sich eher der Alltagsforschung verschrieben haben und den Heiratsmarkt im nahen Volks-Park erforschen wollten. Hier suchen Eltern und Großeltern Kontakt mit anderen Heiratswilligen oder deren Familien, um für ihre Söhne und Töchter einen Partner zu finden. Größe, Beruf und das Vorhandenseins einer Wohnung sind dabei wichtige Voraussetzungen. So werden hier alte Traditionen in neuer Form weitergeführt, wenn die Kinder selbst nicht genügend Zeit finden, weil sie in ihren Berufen und Jobs über die Maßen eingespannt sind. Zu unserer Erleichterung erfahren wir aber auch, dass am Ende schon auch die Betroffenen selbst zustimmen müssen oder auch ablehnen dürfen.

Bevor wir Shanghai verlassen, machen wir noch Halt in der Verkaufsstelle einer Seidenmanufaktur, sehen die wichtigsten Schritte der Seidenproduktion und lernen wieder Neues über die Qualitäten einer perfekten Verkäuferin in der angeschlossenen Verkaufs“show“. Bis hin an die Transportprobleme umfangreicher Einkäufe im Touristengepäck ist gedacht und werden Lösungen angeboten. Man sollte aber nicht glauben, dass hier nur die ausländischen Touristen im Fokus liegen.

Der Tourismus innerhalb Chinas ist beträchtlich und allein die Logistik bei den großen Sehenswürdigkeiten ist ausgetüftelt und sichtlich auf die Bewältigung großer Besucheranzahlen ausgelegt. Ebenso die Shops und nachgeordneten Einrichtungen für Essen, Trinken und Erinnerungsstücke. Denn trotz der enormen Besucherzahlen sind wir nie Schlange gestanden, was in Europa bei großen Sehenswürdigkeiten mittlerweile leider ganz normal ist.

Am späten Nachmittag fahren wir gegen Westen und sind überwältigt von den Verkehrsbändern die in Hochlage die Landschaft gliedern. Aus 30 m Höhe überblickt man ein Patchwork an Baustellen, alten Siedlungen, Abbruchbrachen, Hochhausclustern am Horizont und und und …. Gibt es hier einen Masterplaner, der das alles bewältigt oder wird bereits alles vom Mahlstrom einer in Gang gekommenen Kettenreaktion mitgerissen. Hier wird nicht gekleckert. Alles ist groß bis hin zu den eingepflanzten Bäumen in den Grünanlagen. Ein endloses Siedlungsgebiet ersetzt die ehemals von Kanälen und Reisfeldern durchsetzte Landschaft.

Wir kommen in Suzhou an, das auch Venedig des Ostens oder Gartenstadt genannt wird. Eine ca. 2000 Jahre alte Stadt, die am ebenfalls alten Kaiserkanal liegt, der auch heute noch genutzten einzigen Nord-Süd-Wasserverbindung Chinas (alle natürlichen Flüsse gehen von West nach Ost). Das moderne Suzhou ist Sonderwirtschaftszone, beherbergt viele Niederlassungen internationaler Industriebetriebe und ist dadurch in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen.

China ist kein Billiglohnland mehr, die Gehälter sind in den letzten Jahren um 100% oder mehr gestiegen. Ein Wanderarbeiter verdient hier bereits ca. 600 € monatlich, deutlich mehr als in manchen Ländern Osteuropas. Das ist auch der Grund warum Betriebe (vor allem der Textilindustrie) bereits wieder in Länder wie Vietnam absiedeln. Auf den Straßen sieht man praktisch nur große Autos. Wer sich die Zulassung um mehrere 1000 Euro leisten kann, kauft sich dann auch gleich etwas Ordentliches.

Nach einem guten Abendessen und einem kurzen Spaziergang am Kaiserkanal im Vollmond beziehen wir unsere Zimmer im feinen 5-Stern Garden Hotel. In der großzügig gestalteten Lobby spielt eine Harfenkünstlerin. Ein Ort zum Verweilen, doch leider bleiben wir hier nur kurz.

Tag 23 / Zotter, Cambio-Café, Bio & Fairtrade in Shanghai + jüdischen Viertel & Sky Bar

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Nach dem Staunen über die bauliche Entwicklung machten wir uns heute auf der Suche nach dem Motor, dem Antrieb dieser dynamischen Entwicklung. Wie auch immer diese in Gang gekommen ist, zieht sie wie ein gigantischer Strudel Leute aller Länder und Nationen an, die genau hierher wollen, um ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Mit dem Schokoladentheater der Firma Zotter, beginnen wir von vertrautem Grund aus: Schokolade ist dem Österreicher nicht fremd. Den Chinesen aber sehr wohl. Trotz, oder gerade deswegen hat sich die Firma Zotter in das Wagnis gestürzt, einen nicht existierenden Markt zu erobern, oder besser gesagt erst zu schaffen und mit dazu noch das Konzept von Bio und Fairtrade zu vermitteln. Ein großes Vorhaben, bei dessen Umsetzung nicht gekleckert wurde. Das Gebäude, in dem 25 Leute Arbeit finden, liegt in einem neu gestalteten ehemaligen Fabriksgelände direkt am Fluss und beherbergt auch ein Café. Sollte der wirtschaftliche Erfolg vielleicht noch fraglich sein, so wird sich die geschmackliche Palette angesichts der Vielzahl der chinesischen Produkte und Geschmäcker sicherlich zu neuen Ufern führen. Das alte Industrieviertel in der Umgebung würde bei einem nächsten Besuch sicher noch Zeit zum Entdecken brauchen. Vielleicht mit dem Fahrrad.

Am Rückweg in die Stadt machen wir im jüdischen Viertel der ehemals japanischen Konzession halt. China hatte in den 30er Jahren 200 000 Juden aus Deutschland und Europa Asyl gewährt. Die in Shanghai niedergelassenen Familien wurden jedoch nach der Eroberung durch Japan gezwungen dort zu leben und zu arbeiten. In den sehr europäisch anmutenden Häusern hatten wir durch einen glücklichen Zufall die Möglichkeit in zwei Wohnungen im ersten Stock einen Blick zu werfen, die ein Gemeinschaftsbad und eine gemeinsame Küche am Gang ihr Eigen nannten. Auf engem Raum wurden mit Hochbetten bzw. Trennwänden kleine individuelle Nischen geschaffen, die sehr bescheiden, aber nicht ärmlich wirkten. Hans Georg hinterließ als Dankeschön ein Porträt des Hündchens, worauf ausgiebig das Bild, das Modell, der Künstler und das Frauchen fotografiert wurden. Ein Erlebnis für beide Seiten, das noch ein wenig nachwirken wird.

Am Nachmittag quälte sich der Bus durch den Stau in der Innenstadt zu einem kleinen Kaffehaus, wo wir Sebastian Martin trafen, einen Südamerikaner mit chilenisch-bolivianischen Wurzeln und einer Ausbildung in den USA, der sich nach langer individueller Vorbereitung nach Shanghai aufgemacht hat, um seine Idee eines fairen Handelns mit Kaffee umzusetzen. China, weil auch hier der Markt erst geschaffen werden muss, und die Chancen und Möglichkeiten groß sind. Von Sebastian erhielten wir eine Vorstellung über die Schwierigkeiten mit Behörden, Sprache, Mentalität oder aber auch der stürmischen Stadtentwicklung, die die eben erst eröffnete erste Filiale von Cambio-Café der Abrissbirne opfert. Wie auch schon bei anderen Gelegenheiten, stellten wir fest, dass den Chinesen das Kaffeemachen noch nicht so flüssig und schnell von der Hand geht. Andererseits war der Kaffee aus China und Mittel- bzw. Südamerika von ausgezeichneter Qualität. 70% des verwendeten Kaffees kommen aus China, wo es in der Provinz Yunnan eine Kooperative mit einigen hundert Bauern gibt, mit der zusammengearbeitet wird. Sebastian kennt alle seine Bauern und hat jeden Zwischenhandel ausgeschaltet. Sein Kaffee wird auch direkt in Shanghai geröstet, was ein Teil des Rezeptes für dessen guten Geschmack ist. 500 kg Kaffee werden derzeit über die beiden Filialen, den Onlinehandel und die Zusammenarbeit mit Restaurants umgesetzt. Ziel von Sebastian ist, 300 Filialen in China zu haben, in denen das Konzept des biofairen Kaffeegenusses unter die Leute gebracht wird.

Der restliche Nachmittag und Abend stand zur freien Verfügung zur Erkundung von Shanghai. Eine größere Gruppe bewunderte am Abend im ERA Theater die berühmte Akrobatik-Show. Eineinhalb Stunden lang kommen wir aus dem Staunen über diverse akrobatische Meisterleistungen nicht heraus. Und der Highlights dieses Tages nicht genug, stoppen einige am Heimweg noch im Hyatt-Hotel und genießen bei einem Glas Sekt den Ausblick von der Sky-Bar in luftiger Höhe und das Partytreiben der Reichen und Schönen Shanghais.

Tag 22 / Shanghai und das zweithöchste Gebäude der Welt

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Unser Zug kommt um 10.19 Uhr in Shanghai an. Zunächst sind wir etwas verwirrt, über die wenigen Menschen und den quasi nicht vorhandenen Verkehr. Dies ändert sich jedoch schnell als wir uns in den Autoverkehr der Hochstraße einordnen und im zweiten oder dritten Stock durch den Wald der Hochhäuser Richtung Stadtzentrum vorarbeiten. Da das Wetter uns weiterhin hold ist (was in China ganz anders gesehen wird, denn hier wird Landschaft viel lieber bei Regen und mit ziehenden Nebelschwaden betrachtet) fahren wir sofort zum Shanghai Tower. Die 547 Meter bis zur Aussichtsplattform überwinden wir im Aufzug in beeindruckenden aber kaum spürbaren 54 Sekunden. Jetzt sind wir definitiv in der Megacity des Ostens angekommen! Unter uns der Bogen des Huangpu Flusses mit einer nicht abreißenden Kette von Flussschiffen. Zu unseren Füßen die Hochhauscluster von Pudong, dem vor 20 Jahren noch unbebauten Flussland gegenüber dem Bogen des Westufers, dem „Bund“. Dies ist eine aus dem Indischen kommenden Bezeichnung für Damm für die Promenade entlang der Kolonialniederlassungen der Franzosen, Engländer und Japaner aus dem vorvorigen Jahrhundert.

Shanghai ist jetzt die Finanzmetropole Chinas und der Industriestandort neben dem Pearl River Delta nahe Hongkong. Hier werden fast alle europäischen und internationalen Marken für den chinesischen und europäischen Markt produziert. Die Stadt ist ein Fleckerlteppich von Abriss und Neubau in großem Stil. Aller Grund und Boden gehört dem Staat. Gegen einen dem „Grundpreis“ entsprechenden Betrag, kann jeder Investor das Grundstück 70 Jahre lang nutzen. Dann fällt das Nutzungsrecht an den Staat China zurück. Allerdings wird dies erst in 30 Jahren das erste Mal schlagend und man wird sehen wie das im Konkreten gehandhabt wird. Der Ausblick, die Dimensionen von oben und anschließend bei einer Flussrundfahrt von unten sind atemberaubend. Klick – Klick – Klick geht der Fotoapparat.

Dazwischen gab es Mittagessen in der „Altstadt“ und zum Yang das Ying, die kleine Dimension: vorbei an Geschäften und über die Zik-Zak-Brücke erreichen wir den Yu Garten. Gebaut im Jahr 1559, ist er ein Musterbeispiel der chinesischen Gartenbaukunst. Kleinste, bildartig inszenierte Räume, von Mauern getrennt, durch Tore und Durchblicke verbunden, würden eine Gegenwelt abbilden, wenn wir Touristen, Chinesen wie Langnasen nicht so zahlreich anwesend wären. Und in den Gassen rundherum alles nur Konsum. Danach fahren wir in unser Hotel Sunrise on the Bund. Es hält uns aber nicht lange in den Zimmern und wir eilen hinaus auf die Uferpromenade, lassen uns von den Lichtinszenierungen der Skyline am gegenüberliegenden Flussufer beeindrucken und dann in der Nanjing Road, einer der großen Einkaufsstraßen, mit den Massen im Strom treiben.

Tag 21 / Yangshuo – Guilin und mit dem Nachtzug nach Shanghai

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Vormittag haben wir noch Gelegenheit, eine Wanderung zu machen. Diesmal flußaufwärts entlang des Yulong . Auf einem der vielen Betondämme, die den Fluss leicht aufstauen, sodass keine Strömung zu sehen ist und die Berge sich in der Wasserfläche spiegeln, überqueren wir den Fluss und wandern an den, am Bergrand aufgezeilten Häusern entlang. Obwohl wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet befinden, wird hier überall gewirtschaftet und gebaut. Andererseits erfahren wir, dass die chinesische Anwendung von FengShui auch heißt, dass einzelne der Karstkegel nicht betreten, das Holz dort nicht gefällt wird. Diese bilden also Bio-Reservate im besten Sinne, und das in jeder Gemeinde! Die vielen Schmetterlinge, die uns am Weg begleiten, legen auch ein Zeugnis davon ab. Im Übrigen sind die Felder links und rechts eher mit einem riesigen Garten zu vergleichen. Alle 50 Meter ist eine andere Frucht, ein anderes Gemüse angebaut, wechseln sich Baumwollpflanzen mit Maracujabäumen, Chili mit Mandarinen ab. Wir erreichen die Drachenbrücke, eine hohe Bogenbrücke kurz vor Mittag und besteigen in der beginnenden Mittagshitze den Bus. Wir nehmen Abschied von Yangshuo und fahren nach Guilin.

Nach dem Mittagessen bleibt noch etwas Zeit für einen Stadtspaziergang entlang des Kanals und durch die platanenbestandene Promenade am Li Fluss. Inzwischen sind wir erfahren Bahnfahrer und passieren die Sicherheitskontrollen und absolvieren routiniert das Prozedere am Bahnhof (Kontrolle vor dem Betreten des Bahnsteigs nach Aufruf und beim Einsteigen in den Waggon) und besteigen um 16:44 Uhr den Nachtzug ins ca. 1600 km entfernte Shanghai. Die Verkäufer für warmes Essen und Obst im Zug haben ihren Spaß mit uns und wir mit Ihnen, nachdem erste Unsicherheiten ausgeräumt sind. Die Hendlhaxen waren auch wirklich gut! Wir liegen erste Klasse, das heißt „weiches Bett“ im 4 Bett Abteil.Schnell ist es finster und die „Waggonparty“ dauert nach einem langen Tag auch nicht mehr allzu lange.