Tag 24 / von Shanghai nach Souzhou, das Venedig des Ostens

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In Abänderung des Programms konnten wir am Vormittag das vor 20 Jahren von IoMingPei geplante Shanghai Museum im Stadtzentrum besuchen, in dem in 4 Stockwerken ein Querschnitt der Chinesischen Kultur auf den Gebieten der Malerei, der Kalligrafie, der Siegel, Münzen, Möbel und des Bronzegusses gezeigt werden. Auch im Schnelldurchlauf konnte man einen Eindruck von der Meisterschaft auf diesen Gebieten gewinnen. Diese Eile war vor allem für diejenigen geboten, die sich eher der Alltagsforschung verschrieben haben und den Heiratsmarkt im nahen Volks-Park erforschen wollten. Hier suchen Eltern und Großeltern Kontakt mit anderen Heiratswilligen oder deren Familien, um für ihre Söhne und Töchter einen Partner zu finden. Größe, Beruf und das Vorhandenseins einer Wohnung sind dabei wichtige Voraussetzungen. So werden hier alte Traditionen in neuer Form weitergeführt, wenn die Kinder selbst nicht genügend Zeit finden, weil sie in ihren Berufen und Jobs über die Maßen eingespannt sind. Zu unserer Erleichterung erfahren wir aber auch, dass am Ende schon auch die Betroffenen selbst zustimmen müssen oder auch ablehnen dürfen.

Bevor wir Shanghai verlassen, machen wir noch Halt in der Verkaufsstelle einer Seidenmanufaktur, sehen die wichtigsten Schritte der Seidenproduktion und lernen wieder Neues über die Qualitäten einer perfekten Verkäuferin in der angeschlossenen Verkaufs“show“. Bis hin an die Transportprobleme umfangreicher Einkäufe im Touristengepäck ist gedacht und werden Lösungen angeboten. Man sollte aber nicht glauben, dass hier nur die ausländischen Touristen im Fokus liegen.

Der Tourismus innerhalb Chinas ist beträchtlich und allein die Logistik bei den großen Sehenswürdigkeiten ist ausgetüftelt und sichtlich auf die Bewältigung großer Besucheranzahlen ausgelegt. Ebenso die Shops und nachgeordneten Einrichtungen für Essen, Trinken und Erinnerungsstücke. Denn trotz der enormen Besucherzahlen sind wir nie Schlange gestanden, was in Europa bei großen Sehenswürdigkeiten mittlerweile leider ganz normal ist.

Am späten Nachmittag fahren wir gegen Westen und sind überwältigt von den Verkehrsbändern die in Hochlage die Landschaft gliedern. Aus 30 m Höhe überblickt man ein Patchwork an Baustellen, alten Siedlungen, Abbruchbrachen, Hochhausclustern am Horizont und und und …. Gibt es hier einen Masterplaner, der das alles bewältigt oder wird bereits alles vom Mahlstrom einer in Gang gekommenen Kettenreaktion mitgerissen. Hier wird nicht gekleckert. Alles ist groß bis hin zu den eingepflanzten Bäumen in den Grünanlagen. Ein endloses Siedlungsgebiet ersetzt die ehemals von Kanälen und Reisfeldern durchsetzte Landschaft.

Wir kommen in Suzhou an, das auch Venedig des Ostens oder Gartenstadt genannt wird. Eine ca. 2000 Jahre alte Stadt, die am ebenfalls alten Kaiserkanal liegt, der auch heute noch genutzten einzigen Nord-Süd-Wasserverbindung Chinas (alle natürlichen Flüsse gehen von West nach Ost). Das moderne Suzhou ist Sonderwirtschaftszone, beherbergt viele Niederlassungen internationaler Industriebetriebe und ist dadurch in den letzten 20 Jahren enorm gewachsen.

China ist kein Billiglohnland mehr, die Gehälter sind in den letzten Jahren um 100% oder mehr gestiegen. Ein Wanderarbeiter verdient hier bereits ca. 600 € monatlich, deutlich mehr als in manchen Ländern Osteuropas. Das ist auch der Grund warum Betriebe (vor allem der Textilindustrie) bereits wieder in Länder wie Vietnam absiedeln. Auf den Straßen sieht man praktisch nur große Autos. Wer sich die Zulassung um mehrere 1000 Euro leisten kann, kauft sich dann auch gleich etwas Ordentliches.

Nach einem guten Abendessen und einem kurzen Spaziergang am Kaiserkanal im Vollmond beziehen wir unsere Zimmer im feinen 5-Stern Garden Hotel. In der großzügig gestalteten Lobby spielt eine Harfenkünstlerin. Ein Ort zum Verweilen, doch leider bleiben wir hier nur kurz.

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