TAG 8 / Grenzübertritt & Fahrgestellwechsel

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Als wir aufwachen ist die Landschaft draußen ganz anders. Weites Steppenland ab und zu von einem Fluss durchzogen, hie und da weiden Kühe oder Pferde, die völlig frei herumlaufen. Wir sind jetzt schon 6 Zeitzonen östlich von Moskau. In Borsja wird die E-Lok auf Diesellok umgestellt. Die ersten Anzeichen auf einen spannenden Grenzübertritt in 120 Minuten. Die beiden Grenzbahnhöfe Sabaikalsk (Russland, Donnerstag Nachmittag) und Manzhouli (China, Donnerstag Abend) beschäftigen uns mehrere Stunden, denn Grenzformalitäten und der Fahrgestellwechsel auf die chinesische Schienenbreite brauchen ihre Zeit.

Um 14:30 Uhr Ortszeit erreichen wir Sabaikalsk. Wir müssen alle aussteigen und der Zug wird in eine riesige Halle geschoben, wo die Waggons auf die schmäleren chinesischen Gleise umgespurt werden. Das dauert ca. 3 Stunden, währenddessen wir uns die Stadt anschauen. Hier ist man am gefühlten Ende der Welt. Plattenbauten, heruntergekommene Holzhäuser hinter löchrigen Zäunen, dazwischen auch normale Häuser. Dann fährt der Zug wieder in den Bahnsteig ein, wir gehen in unsere Abteile und es beginnt die russische Ausreisekontrolle mit Drogenhund und harmloser Visite. Zwei Deutsche im Zug, die das Visum um 1 Tag überzogen haben, müssen allerdings Strafe zahlen.

Pünktlich um 13:05 Uhr Moskauer Zeit / 19:05 Uhr lokale Zeit geht es weiter. Wir fahren ca. 20 Minuten hinüber zur chinesischen Grenzstation Manzhouli. Es wird auf Peking-Zeit (jetzt 18:30 Uhr – zu Hause 12:30), die in ganz China gilt, umgestellt. Auf der einen Seite ein riesiges Bahnhofsgebäude und auf der anderen eine grell beleuchtete Hochhaus-Skyline, die ein bisschen an Las Vegas erinnert und uns etwas irritiert.

Der chinesische Zoll nimmt seine Sache sehr ernst. Er durchwühlt viele Koffer, will Fotos auf Computern sehen und durchblättert Bücher. Nach Lebensmitteln wird nicht gefragt, obwohl wir davor gewarnt wurden. Bei der Passkontrolle heißt es „stand up“ und Brille runter und es beginnt ein genauer Gesichtsvergleich. Die ganze Prozedur dauert ca. 2 Stunden. Während dieser Wartezeit ist auch das Klo gesperrt. Endlich um 21 Uhr dürfen wir hinaus und haben wieder frei bis zur planmäßigen Abfahrt um 23:59 Uhr. „Frei bewegen“ bedeutet hier: wir dürfen uns auf dem Bahnsteig und im dahinterliegenden Gebäude bewegen. Dort gibt es Toiletten und einen kleinen Shop, der auch die einzige Wechselmöglichkeit zu einem unverschämten Kurs (5 statt 7 Yuan für 1 Euro) bietet und von einer chinesischen Matrone beherrscht wird. Las Vegas ist zwar in Sichtweite, aber wir dürfen nicht hin. Vielleicht in Wirklichkeit ein potemkinsches Dorf?

Nachdem es draußen sehr kalt ist, probieren wir den neu angehängten chinesischen Speisewagen aus und bekommen das erste chinesische Essen, natürlich mit Stäbchen und einem warmen Heineken-Bier. Bezahlt werden muss sofort nach der Bestellung und die Kellnerin hat einen Charme, der sich uns nicht wirklich erschließt. Wir vermissen Svetlana und die Zwillinge im russischen Speisewagen

Das Gefühl, endlich wirklich in Asien angekommen zu sein macht sich breit. Pünktlich um 23:59 h fährt der Zug los und nach einem russischen Schlaftrunk bei den Nachbarinnen gehen wir schlafen.

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